April 2021 #gestalten: Biodiversität und Nachbarschaft auf dem Lichtenberg Platz, Hannover Linden

Hintergrund Biodiversität und Nachbarschaft auf dem Lichtenberg Platz, Hannover Linden

Ausgehend vom Gemeinschaftsgarten am Lindener Marktplatz entwickelte ein Zusammenschluss aktiver zivilgesellschaftlicher Akteure (Ökostadt e.V. dem Projekt Mehrwertladen der Initative Kultur des Wandels und hannover void) gemeinsam mit dem Flowful Collective die Vision einer “grünen Schneise” durch den Stadtteil Linden Mitte. Dabei sollten die folgenden fünf Punkte durch die Nachbarschaft und Anwohner*innen in einem partizipativen und selbstbestimmten Prozess bepflanzt und gepflegt werden.

Das Gesamtkonzept zeigt den Weg der Grünen Schneise vom Gemienschaftsgarten (1) am Lindener Marktplatz, die Davenstedter Str. (2) und Küchengartenstraße(3&5) über den Lichtenbergplatz (3).

Aktiviert durch die erfolgreiche Implementierung des Gemeinschaftsgartens und des Hügelbeets war nun im Rahmen eines mehrstufigen Prozesses mit dem Lichtenbergplatz, die Aufwertung einer kommunalen Fläche Ziel des Auftrages.

 

Wollt Ihr Eure Nachbarschaft auch grüner und lebendiger gestalten?

Wir unterstützen Euch gerne und führen Euch durch den Prozess. Dabei identifizieren wir gemeinsam mit Euch und nach Euren Wünschen, die für Euren Ort maßgeschneiderte Lösung. info@flowful.org


Vorbereitung des insektenfreundlichen Blühstreifen am Lichtenbergplatz durch die Stadt Hannover

Bei den Gesprächen in der Nachbarschaft wurden auch Aspekte der Umweltbiildung integriert


 

Ergebnis des Projektes Biodiversität und Nachbarschaft auf dem Lichtenberg Platz, Hannover Linden

 
Der große Wurf der Aufwertung und stärkeren Nutzung des Lichtenbergplatzes im Herzen von Linden ist zwar ausgeblieben. Trotzdem hat der Prozess das Gemeinschaftsgefühl weit über den Gemeinschaftsgarten Lindener Markt in die Küchengartenstraße und auf den Lichtenbergplatz gebracht.

Die Nachbarschaft sprach sich einstimmig für die Auwertung durch einen großen insektenfreundlichen Blühstreifen entlang des Zaunes um den Platz aus.

Der Wunsch der Nachbarschaft wurde bei der Stadt Hannover, die selber gerade dem hannoverschen Insektenbündnisses beigetreten war, vorgetragen und bereits im April 2021 umgesetzt.

Durch unbekannte Guerilla Gardening Aktivitäen (heimliche Aussaat von Pflanzen auf öffentlichen Flächen, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen) wurde der Blühstreifen bereits im ersten Jahr durch Cannabispflanzen ergänzt.

Die schnelle und unbürokratische Unterstützung der Stadt Hannover hat trotz der Corona Pause in den Wintermonaten die Dynamik hochgehalten und die Idee zur Realität werden lassen. Der gesamte Prozess ist ein erfolgreiches Beispiel mit Strahlkraft für mehr Biodiversität und Beteiligung bei der Stadtgestaltung in Hannover.

Fakten zum Projekt Biodiversität und Nachbarschaft auf dem Lichtenbergplatz:


Klient: Selbstinitiiert mit Kultur des Wandels und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren

Dauer: 6 Monate

Designer: Joy Lohmann, Benedikt Schlund, Lars Blume

Kategorie: urbane Permakultur

Hauptethik: Earth Care
Achtsamer Umgang mit der Erde

Auftrag: Biodiverse Aufwertung des rund 150 qm großen Lichtenbergpaltzes, der bisher durch eine Kastanie, Rasenfläche und einigen Rosenn bepflanzt war.

Gestaltungsprozess:

  1. Bürgerbeteiligung und Bedarfsanalyse ,

  2. Diskussion und Feedback zu drei Vorschlägen zur Platzgestaltung

  3. Kooperationsanfrage Stadt Hannnover

  4. Umsetzung und Pflege.

 
 

3 Schritten zu mehr Pflanzenvielfalt & Bürgerbeteiligung

Schritt 1 am 04.10.2020: IdeenPicknick mit den Anwohnenden

Der Auftakt zum partizipativen Projekt “Aufwertung des Lichtenbergplatz” erfolgte am 04.10.2020 mit einem ersten Ideen-Picknick auf dem Lichtenbergplatz. Rund 60 Anwohner*innen und Lindener*innen kamen bei schönstem Oktoberwetter zu der Veranstaltung, die Pflanzenvielfalt, Kultur und Nachbarschaft vereinte.
Der Raum wurde für einen spannenden Austausch geöffnet und die Nachbarn sprachen über die verschiedenen Positionen und Wünsche, Sorgen und Ideen. aus und es entstand . An 4 Tischen wurden mit einem „Ideen-Speeddating“ eine tolle, kreative Atmosphäre erzeugt und zahlreiche ökologische, utopische, skeptische und soziale Ideen gesammelt, die im nächsten Schritt ausgewertet und strukturiert wurde

Schritt 2 November 2020: Auswertung des Ideenpicknicks und filmische Präsentation von 2 Entwürfen

Die reichhaltige Ideenernte wurde im Folgenden in 4 Kategorien sortiert und nach Realisierbarkeit bewertet. Auf Grundlage der Ideensammlung wurden 2 fiktive Gestaltungsvarianten (durch Landschaftsplaner Benedikt Schlund und Künstler Joy Lohmann) visualisiert, die im gemeinschaftlichen Prozess zur Entscheidungsfindung über ein mögliches Planungsvorhaben für den Lichtenbergplatz dienen können. Allgemein wurde eine naturnähere Bepflanzung mit Blühwiese und Insektenfreundlichen Pflanzen gewünscht, auch angelegte Kräuter- oder Gemüsebeete und ein „essbarer Platz“ wurden häufig genannt. Auch die Nutzung für Kunst/Kultur und seltene Gemeinschaftsfeiern waren in dem Prozess genannt worden.

 
 

Schritt 3 am 20.3.2021: Gemeinschaft, Präsentation der Ideensammlung & Festlegung konkreter Ziele

Am 20.3.2021 wurde der Müllsammeltag in Hannover als Anlass genommen erneut in Gemeinschaft auf dem Lichtenbergplatz zusammen zu kommen, das Stadtteilgrün vom Müll zu befreien und in Gesprächen die Ergebnisse und 2 Entwürfe gemeinsam zu diskutieren. und stehen für Gespräche und Ideen zur Verfügung. Der mehrheitsfähige Vorschlag wurde bestimmt und ein Fahrplan zur Kooperation mit dem kommunalen Amt für Grünflächen definiert.

Schritt 4 April 2021: Lichtenbergplatz erhält insektenfreundliche Blühwiese!

Im April nach einem kurzen Austausch mit dem Grünflächenamt war es so weit, an den Rändern des Platzes wurde der Rasen und die Rosen durch einen 2,5m breiten insektenfreundlichen Blühstreifen ersetzt. Somit konnte ein weiteres Puzzelteil zur Grünen Schneise durch Linden umgesetzt werden und der durch seinen Kastanienbaum geschätze Lichtenbergplatz ist nun in den Sommermonaten neben einem Insektenparadis weiterhin auch ein beliebter Aufenhaltsort für sonnenliebende im grünen.

 
 

Warum micht mehr Rasenflächen durch insektenfreundlichen Blühstreifen aufwerten?

Die Aufwertung kommunaler und privater Rasenflächen durch insektenfreundliche Blühstreifen bringt verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Vorteile mit sich:

  1. Förderung der Biodiversität: Insektenfreundliche Blühstreifen bieten eine Vielzahl von Nahrungsquellen und Lebensräumen für Insekten, insbesondere für Bienen, Schmetterlinge und andere bestäubende Insekten. Wenn diese Blühstreifen durch Sonnenfallen (zum Beispiel Steine9 und kleinen Wassertränken ergänzt werden tragen diese Flächen zusätzlich zum Erhaltung der biologischen Vielfalt bei.

  2. Bestäubung von Pflanzen: Bestäubende Insekten sind für die Fortpflanzung vieler Pflanzenarten unerlässlich. Durch die Schaffung insektenfreundlicher Lebensräume auf Grünflächen wird die Bestäubung gefördert, was wiederum die Fruchtbarkeit von Pflanzen verbessert.

  3. Verbesserung des Stadtklimas: Blühstreifen in Verbindung mit weiteren Pflanzen (Bäume, Sträucher) und Wasserflächen können dazu beitragen, das städtische Mikroklima zu verbessern, indem sie Schatten spenden, die Verdunstung fördern und somit die Temperaturen regulieren. Dies kann insbesondere in dicht bebauten städtischen Gebieten dazu beitragen, die Auswirkungen von Hitzeinseln zu mildern.

  4. Ästhetische Aufwertung: Blühstreifen tragen zu einer vielfältigen und attraktiven Landschaftsgestaltung bei. Die blühenden Pflanzen bringen Farbe in die Umgebung und können zu einer angenehmen visuellen Erfahrung für die Bewohner und Besucher beitragen.

  5. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung: Insektenfreundliche Blühstreifen erfordern oft weniger Pflege und Ressourcen im Vergleich zu gepflegten Rasenflächen. Sie können dazu beitragen, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren und sind somit umweltfreundlicher.

Es gibt also genug Gründe auch im eigenen Garten einen Teil der Rasenfläche in eine biodiverse Wiese oder eine essbare Wildkräuter Landschaft zu verwandeln.


Zum Abschluss noch einige Eindrücke von der Nachbarschaftsaktion im März 2021