Wir haben einen Wald gepflanzt.
Der Tiny Forest Wattenscheid ist mehr als ein Pflanzprojekt – er ist der Beweis, dass Wandel aus der Mitte einer Stadt kommen kann.
Es gibt Momente, in denen man spürt, dass das, was man tut, größer ist als man selbst. Der 13. und 14. März 2026 auf dem Gelände des ehemaligen Betriebshofs in Wattenscheid war so ein Moment. Zwei Tage lang haben wir gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, mit Schüler*innen, Familien, Wissenschaftler*innen und einfach neugierigen Menschen einen Wald gepflanzt. Einen echten, dauerhaften, lebendigen Wald – mitten in der Stadt.
Wir möchten euch erzählen, wie es war. Und was es für uns bedeutet.
Am Anfang stand eine Initiative
Die Idee zum Tiny Forest Wattenscheid kam nicht von uns. Sie kam von „Tiny Forest and Friends“ – einer Gruppe engagierter Menschen aus dem Stadtteil, die sich seit Jahren dafür eingesetzt hat, dass auf dieser brachliegenden Fläche endlich etwas Wächst. Etwas Lebendiges. Etwas, das bleibt.
Das hat uns von Anfang an begeistert: Hier war keine Behörde, kein Amt, kein Förderprogramm der Motor – sondern Menschen, die ihren Stadtteil lieben und verändern wollen. WAT-Bewegt hat das Projekt dann organisatorisch getragen und die vielen Fäden zusammengeführt. Wir durften uns darum kümmern, was wir am besten können: die Pflanzung durchführen und das Projekt pädagogisch begleiten.
„Die Idee kam nicht von uns. Sie kam aus der Mitte des Stadtteils. Wir haben sie nur wachsen lassen.“
Zuerst die Köpfe, dann die Hände
Bevor wir auch nur eine Pflanze in die Erde gesetzt haben, sind wir in die Schulen gegangen. Das Märkische Gymnasium und die Gertrudisschule in Wattenscheid haben uns die Türen geöffnet – und wir haben mit den Schüler*innen über Wälder gesprochen. Nicht im abstrakten Sinne, sondern ganz konkret: Was ist ein Tiny Forest? Warum wächst er so schnell? Welche Baumarten gehören in welche Schicht – und warum ist diese Schichtung so entscheidend?
Wir haben Multiplikatorenworkshops durchgeführt, damit Lehrkräfte, Stadtteilaktive und Mitarbeitende dieses Wissen weitertragen können. Ein Wald, den niemand versteht, ist ein Wald, den niemand verteidigt. Deshalb kommt für uns Bildung immer zuerst.
Viele dieser Schüler*innen standen dann am 13. März selbst mit dem Spaten auf der Fläche. Das war für uns einer der schönsten Momente des gesamten Projekts.
Den richtigen Moment abwarten
Ursprünglich war die Pflanzung für November 2025 geplant. Aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden – oder besser: Wir haben auf den Boden gehört. Im November war es schlicht zu nass. Hätten wir damals gepflanzt, hätten wir den mühsam vorbereiteten Boden durch die schweren Maschinen verdichtet und den Jungpflanzen die Luft zum Atmen genommen.
Wir haben gewartet, bis die Bedingungen ideal waren. Jetzt, im Frühjahr, haben wir die perfekte Balance: Die Erde ist feucht, aber stabil, die Luft ist mild und die Bäume gehen direkt mit voller Kraft in die Wachstumsphase. Das zeigt: Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Diese Flexibilität ist der Grundstein für den Erfolg in Wattenscheid.
Das ist für uns keine Rückschläge-Geschichte. Das ist Permakultur. Beobachten. Lesen. Anpassen. Wer gegen natürliche Rhythmen arbeitet, arbeitet doppelt. Wer mit ihnen arbeitet, baut auf einem Fundament, das hält.
„Wer gegen natürliche Rhythmen arbeitet, arbeitet doppelt. Wir haben gewartet – und der März hat uns recht gegeben.“
Zwei Tage, drei Zonen, 3.600 Pflanzen
Die Pflanzung selbst lief über zwei Tage. Am Freitag, dem 13. März, legten die Schüler*innen des Märkischen Gymnasiums und der Gertrudisschule gemeinsam mit ihren Lehrkräften los – Vorarbeit auf der Fläche, bevor am nächsten Tag die Bevölkerung in großer Zahl dazukam. Am Samstag, dem 14. März, pflanzten wir dann in Gruppen: jeweils fünf Personen, ein klar definierter Bereich, ein einfaches Ritual.
Loch graben. Wasser ins Loch. Pflanze einsetzen. Erde andrücken. Mulchen.
Klingt simpel. Ist simpel. Und genau darin liegt die Schönheit der Miyawaki-Methode: Sie macht komplexe Ökologie zugänglich. Jede*r kann mitmachen. Jede*r hinterlässt etwas.
Rund ein Drittel der Gesamtfläche haben wir gemeinsam in diesen zwei Tagen bepflanzt. Der Rest wird im Laufe der Folgewoche durch unser Fachteam fertiggestellt. Insgesamt entstanden auf 1.483 m² rund 3.600 Jungpflanzen in drei Zonen: Kronenschicht, Unterkronenschicht und Strauchmantel.
Wissenschaft im Stadtwald
Ein besonderer Aspekt des Projekts: Die Hochschule Bochum nutzt einen Teil der Fläche als Forschungsfläche. Prof. Marcus Schröter und sein Team untersuchen den Einsatz von Pflanzenkohle im Waldboden – ein Verfahren, das Kohlenstoff langfristig bindet, die Wasserhaltekapazität verbessert und als Klimainstrument für städtische Räume skaliert werden könnte.
Der Tiny Forest Wattenscheid ist damit nicht nur Stadtgrün. Er ist ein lebendes Forschungslabor – und ein Bildungsort für alle Altersgruppen, den die Hochschule weiterentwickeln wird.
Was dieser Wald uns gelehrt hat
Nach zwei Pflanztagen, Monaten der Vorbereitung, Schulbesuchen, Workshops und vielen Gesprächen können wir sagen: Dieser Wald ist einer der bewegendsten Aufträge, die wir je hatten.
Nicht weil er technisch besonders komplex war. Sondern weil er gezeigt hat, was möglich ist, wenn Bildung, Bürgerwille, Wissenschaft und gute Planung zusammenkommen. Weil Schüler*innen mit leuchtenden Augen Erde in der Hand hielten und fragten: „Wächst der wirklich so schnell?“ Weil alte Menschen und junge Kinder Seite an Seite gepflanzt haben. Weil die Fläche, die gestern noch leer war, heute lebt.
„Ein Miyawaki-Wald braucht keine Gärtner*innen – er pflegt sich selbst. In zehn Jahren ist er ein Wald. In hundert Jahren entfaltet er seine volle Kraft.“ — Karla Ritter
Wir glauben, dass Permakultur genau das ist: nicht für die nächste Saison denken, sondern für die nächsten Generationen. Und wir sind stolz, ein kleines Stück davon in Wattenscheid gepflanzt zu haben.
Hier findet ihr die Pressemitteilung.
Du möchtest einen Tiny Forest in deiner Stadt, deiner Schule oder deinem Unternehmen? Schreib uns – wir begleiten von der ersten Idee bis zur letzten Pflanze.